GESCHICHTE
Die Bioenergetische Analyse ist hervorgegangen aus der Psychoanalyse Sigmund Freuds und der Charakteranalyse Wilhelm Reichs. Alexander Lowen, ein Schüler von Reich, hat auf der Grundlage wesentlicher Konzepte dieser beiden Pioniere ein Psychotherapiemodell entwickelt, das die körperlichen Analogien seelischer Vorgänge sowohl diagnostisch als auch therapeutisch im Sinne einer ganzheitlichen Betrachtungsweise nutzt und es Bioenergetische Analyse genannt.
Basis der Bioenergetischen Analyse ist das psychoanalytische Widerstands- und Übertragungsmodell (tiefenpsychologischer Ansatz). Wie in der Psychoanalyse wird ein (begleiteter und unterstützter) Bewusstwerdungsprozess als Voraussetzung für "heilende" Wirkung postuliert. Dazu werden die körperlichen Phänomene des Widerstands, wie Haltung, muskuläre (Ver-)Spannung, Gefühlsausdruck, Atmungsmuster nach ihrer Prägung in der Kindheit geordnet und in fünf "Charakterstrukturen" unterteilt, wobei (Körper-) Haltung und interaktionelles Verhalten miteinander in Beziehung gesetzt und bewusst gemacht werden. Der charakterstrukturelle Ansatz bietet einerseits die Möglichkeit, die verschiedenen Haltungs- und Verhaltensmuster als Verfestigungen und als (bisher) erfolgreiche (Überlebens-) Fähigkeiten und Fundamente zu akzeptieren und bewusst zu nutzen, andererseits durch Arbeit an den Blockierungen Energien zur persönlichen Weiterentwicklung freizusetzen (Erweiterung der anachronistischen Überlebensstrategien zu Lebensmodellen mit freien Entscheidungsmöglichkeiten zur Lebendigkeit). Im Gegensatz zur Psychoanalyse wird der Begriff der Energie (Libido) nicht nur abstrakt, sondern (körperlich) spürbar, erlebbar gehandhabt (Bioenergie).
Ein Spezifikum der Bioenergetischen Analyse ist das "Grounding", ein Konzept, das in Ergänzung zum Handlungsmodell der Charakterstrukturen auf Basis der Vorstellung eines willensgesteuerten ICH die eher der Idee des autonomen SELBST zuzuordnende Orientierung in der (Um-) Welt beschreibt, den Stand auf dem Boden (der Tatsachen), den Bezug zur eigenen Identität als Frau oder Mann. Auch hier setzt die Bioenergetische Analyse im Unterschied zu anderen Konzepten am körperlich Wahrnehmbaren, Erlebbaren an.
Waldefried Pechtl, Albin Hofer-Moser und Rainer Frank, die Begründer der DÖK (Die Österreichische und Deutsche Gesellschaft für körperbezogene Psychotherapie - Bioenergetische Analyse), haben die Lowenschen Konzepte um gruppendynamische Aspekte erweitert und somit auch als Modell - neben der therapeutischen Arbeit - für die Anwendung in Teams und Organisationen, in der Beratung und Fort- und Weiterbildung nutzbar gemacht.
Bioenergetische AnalytikerInnen versuchen, die KlientInnen über verbale Kommunikation, Anleitung zu Körperaktionen (Atmung, Bewegung, Haltung) und direkte Interventionen am Körper (Berührung, Druck, Zug) in Kontakt zum Körper zu bringen und über die körperliche Empfindung die Wahrnehmung der Gefühle unter dem Beziehungsaspekt zu verdeutlichen. Die bewusste körperliche Fühlbarkeit von emotional-geistigen Inhalten wird als wesentlicher Faktor der Integrierbarkeit von Erkenntnissen in den gelebten Alltag angesehen.
Grundlage der Interventionen der Bioenergetischen AnalytikerInnen ist neben verbaler Anamnese das sogenannte "Körperlesen", das die charakterstrukturelle Diagnose sowie das Erkennen des energetischen Levels und des Identitätsniveaus (Grounding) erleichtert.
Ziel der Bioenergetischen AnalytikerInnen ist es, Impulse zu Entwicklungs- und Veränderungsprozessen von Personen, Teams und Organisationen ressourcenorientiert zu setzen und zielorientiert zu begleiten, sowie methodische Kenntnisse zu vermitteln. Diese, im persönlichen Alltag und im Beruf umgesetzt, sollen zu Erleichterungen und mehr Freude im Leben führen.
Die Österreichische Gesellschaft für körperbezogene Psychotherapie - Bioenergetische Analyse - (DÖK) ist Mitglied der European Federation for Bioenergetic Analysis Psychotherapy (EFBA-P), der European Association for Psychotherapy (EAP) und des International Institute for Bioenergetic Analysis (IIBA), Zürich.