Konkurrenz und Kooperation

Ein entscheidender Erfolgsfaktor konkurrenzfähiger Organisationen besteht darin, kooperationsfähig zu sein. Um anspruchsvolle Ziele zu erreichen und komplexe Strukturen aufzubauen, bedarf es der Kooperation. Dazu sind Einzelkräfte so miteinander zu verbinden, dass das Ergebnis für alle Beteiligten vorteilhaft ist. Das erfordert Menschen, die zumindest teilweise auf persönliche Ansprüche verzichten, um einen gemeinsamen Erfolg zu ermöglichen. Die Bioenergetische Analyse stellt über das Lernfeld (Gruppen-)Körper und das differenzierte Wissen über die Gestaltung von Beziehungen im Modell der Charakterstrukturen, wesentliche Ansatzpunkte zur Verbesserung der Kooperationsfähigkeit zur Verfügung.

Konkurrenz und Kooperation zählen im betrieblichen Alltag neben Führungskultur, Aufbau der Hierarchie, Kohäsion, Teamverträglichkeit und Kommunikationsstruktur zu den wichtigsten kommunikationsrelevanten Variablen. Hierarchie bindet und kanalisiert Konkurrenz, Sach- und Zielorientierung regulieren den Konkurrenzdruck. Aber Projektstrukturen, Netzwerke und neue Formen der partiellen Kooperation fördern Konkurrenz. Die wachsende Bedeutung der Gleichzeitigkeit dieser gegenläufigen und sich bedingenden Prinzipien ‚Wettbewerb und Zusammenarbeit‘ erfordert komplexe soziale Interaktionen und Handlungsweisen zwischen Organisationen, Teams und beteiligten Personen. Dabei gilt es, einen entspannten Umgang mit dieser Gleichzeitigkeit zu entwickeln und Toleranz gegenüber Widersprüchlichkeiten und Unschärfen aufzubauen.

Sowohl Konkurrenz als auch Kooperation begründen sich nicht ausschließlich innerhalb einer Organisation, sondern beziehen sich immer auch auf Ziele oder Maßstäbe, die außerhalb angesiedelt und vom sozialen Umfeld vorgegeben sind. Konkurrenz kann egoistischer Wettbewerb oder altruistischer Kampf sein, Kooperation kann den eigenen Nutzen suchen oder als Vorleistung auch Selbstschädigung in Kauf nehmen, ohne Gewissheit, dass der Einsatz lohnen wird.

Um ein attraktiver Kooperationspartner zu sein, ist es notwendig, sich im Wettbewerb zu behaupten und kooperationsfähig zu sein. In diesem Spannungsfeld werden Fragen der Abstimmung bedeutsam. Die Grenzen zwischen Organisationen werden durchlässiger und es ist nötig, sich mit anderen Organisationen auszutauschen, zu vernetzen, Gelegenheiten für Kontakte zu schaffen, um Vertrauen aufzubauen, Räume und Strukturen einzurichten sowie konkrete Fragestellungen zu den übergreifenden Projekten zu erarbeiten.

Die Qualität der Zusammenarbeit hängt davon ab, wie Konkurrenz- und Kooperationsbeziehungen bzw. Konflikte wahrgenommen, gelebt und gestaltet werden. Welche Formen des Umgangs haben Personen zur Verfügung? Wie werden Interessenskonflikte gelöst, wie gemeinsame Ziele partiell zusammengeführt? Ist der eigene Gewinn an den Verlust des anderen gebunden oder kooperieren beide ohne Dominanzanspruch?

Die Schwierigkeit, Konkurrenzverhalten in Kooperation überzuführen, wird dadurch erhöht, dass Konkurrenz Bestandteil jedes auf Gewinn-Maximierung ausgerichteten Handlungssystems ist, auf Verknappung von Ressourcen, Prestige, Ansehen und Anerkennung beruht und ein selbstbestätigendes Verhalten ist. Es handelt sich um Versuche, sich anderen gegenüber in Bezug auf Leistung, Attraktivität, Ressourcennutzung, Handlungsspielraum usw. zu behaupten und durchzusetzen oder eine drohende Unterlegenheit abzuwenden.

Konkurrenz ist in der Zusammenarbeit etwas Alltägliches und sie ist immer auch eine Herausforderung und Lernchance. Ausbalancierte Konkurrenz kann anspornen und beflügeln. Sich eigener Impulse und Formen der Konkurrenz bzw. ihrer Vermeidung bewusst zu werden, führt zur Erweiterung des eigenen Handlungsspielraums. Kooperationsfähigkeit ist somit eine Beziehungsqualität von Personen, die erlernbar ist. In der Bioenergetischen Analyse wird das Modell der Charakterstrukturen auch dazu genützt, kooperationsfeindliche Beziehungsmuster aufzuspüren, ihre Ursachen zu reflektieren und alternative Verhaltensweisen verfügbar zu machen. Über Körperarbeit werden Formen der Beziehungsgestaltung unmittelbar erlebbar, ansprechbar, und neue Wege können erprobt bzw. eingeübt werden. Die Arbeit in der Gruppe und mit dem Gruppenkörper gibt darüber hinaus die Möglichkeit, die Kooperationskultur als ein Qualitäts- und Strukturmerkmal von Arbeitsbeziehungen gezielt zum Thema zu machen, aber auch gelingende soziale Beziehungen und eine angemessene Teilung von Einfluss und Macht zu fördern.

In unserem Selbstverständnis ist Kooperation mehr als ein Tauschgeschäft. Sie erfordert Vertrauen zu sich selbst, Vertrauen zu den PartnerInnen und zur Kooperation als Ganzem,  Akzeptanz von Schwächen und Stärken sowie ein angemessenes Maß an funktionaler Transparenz. Arbeitsteiliges Zusammenwirken zur besseren Zielerreichung kann dann einen Synergieeffekt mit sich bringen: Den ‚Mehrwert‘ der Kooperation.

– Maria Majce-Egger

Literatur:
Joachim Bauer: Prinzip Menschlichkeit: Warum wir von Natur aus kooperieren. München 2008
Harald Payer: Erfolgsfaktor K – Formen und Merkmale von Kooperation. In: Zeitschrift Supervision 2/2014, 4-10.
Oliver König: Macht in Gruppen. Gruppendynamische Prozesse und Interventionen. München 1996
Peter Weise: Konkurrenz und Kooperation. http/: www.fairnessreport.de (20.11.2015)
Georg Zepke: Co-opetition – zur Gleichzeitigkeit von Konkurrenz und Kooperation zwischen Organisationen. Ludwigsburg 2012, http/: www.organisationsforschung.at
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