Sexualität

In den letzten Jahren war die Theoriebildung in der Psychotherapie stark auf frühe Störungen und Trauma konzentriert. Wir wollen die Sexualität aus dem Winterschlaf holen, ihr Raum geben und Zuwendung schenken. Die 4. DÖK-Tagung vom 18. bis 20. September 2015 in Wesenufer/OÖ bietet einen geeigneten Rahmen dafür.

Bücher wie „Die sexuelle Revolution“ und „Die Funktion des Orgasmus“ von Wilhelm Reich oder „Liebe und Orgasmus“ von Alexander Lowen machen deutlich, welch hohen Stellenwert der Sexualität beigemessen wurde. So schreibt A. Lowen: „Der sexuell reife Mensch hat den Mut, sich der Wahrheit seines Körpers zu stellen; infolgedessen respektiert er seine Gefühle und sich selbst“. Nach den aufregenden Experimenten der ‚wilden‘ 60er und 70er Jahre wurde die Persönlichkeitsentwicklung durch sexuelle Erfüllung als Therapieziel/Therapieansatz in den Hintergrund gedrängt.
Sexualität spielt in der Bioenergetischen Analyse, aber auch heute noch eine wesentliche Rolle. Ziel ist es, einen freien Energiefluss im Körper zu ermöglichen. Je freier sich Energieflüsse im Körper entfalten können, umso mehr wird eine in der Realität verankerte Selbst- und Fremdwahrnehmung möglich. Intuitionen, Emotionen, Interessen werden deutlicher präsent und sind klarer zu erfassen. In diesem Zusammenhang wird auch das sexuelle Begehren spürbarer, die Anziehungskräfte leben auf. Das gibt innere Orientierung und führt zu einer Steigerung der Lebenslust. Um dahin zu gelangen, braucht es Spürbewusstsein, Kontaktfähigkeit und eine Umgebung, in der diese Persönlichkeitsentwicklung stattfinden kann.

Auf der DÖK-Tagung wird es Angebote geben, die darauf abzielen, Energie in Fluss zu bringen, um die sexuellen Impulse verstärkt wahrnehmen zu können. Blicke auf den gesellschaftlichen Umgang mit Sexualität werden ebenso Platz haben wie der Versuch, die Verbindung zwischen den Forschungserkenntnissen der letzten Jahre – unter anderem über frühe Bindungsbeziehungen – zum therapeutischen ‚Urthema‘ Sexualität herzustellen. Der freie Energiefluss zwischen Becken und Herz macht die Sexualität zur Herzensangelegenheit, diese Verbindung macht sie menschlich und ermöglicht erst ein erfülltes Erleben. Diese Art Zugang wird ebenso gegeben sein wie solche über die Biografie und Spezifika bestimmter Lebensalter. Begriffe wie Scham und Schuld, Konflikt und Abwehr werden auf Erfahrungswegen vorkommen ebenso wie die Liebe. Die Liebe kann unter anderem als Vermittlerin zwischen Angst und Mut hilfreich in Erscheinung treten: Eine lieblose Annäherung macht Angst. Ein vertrauensvolles Einlassen braucht Mut.

Die Workshops bieten neben Körperarbeit und Inputs auch Gelegenheit, sich mit zahlreichen Fragestellungen auseinanderzusetzten, wie zum Beispiel: Was tun, wenn das Begehren spürbar wird? Wie können diese Impulse in den Alltag integriert werden? Wie können wir in Beziehungen Sexualität offen und verantwortungsbewusst leben, jenseits von Gewohnheit, Schweigen, Tabu und Lüge? Wir wollen mit der Offenheit in diese Tagung gehen, uns immer wieder als Lernende zu begreifen und mit der Bereitschaft, Prägungen, Vorannahmen und Konstrukte in Frage zu stellen. Auf dass die Schönheit und Kraft der Sexualität mehr und mehr das Licht der Realität erblicken möge.
– Mag.a Regina Trotz

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