Bioenergetische Analyse in der Behandlung psychischer Traumatisierung

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Die Folgen traumatischer Erlebnisse lassen sich oftmals nicht durch Psychotherapie auf rein verbaler Ebene behandeln. Für PsychotherapeutInnen, die gleichzeitig in Bioenergetischer Analyse ausgebildet sind, stehen jedoch eine Reihe zusätzlicher Interventionsmöglichkeiten zur Verfügung, die eine Heilung der körperlichen Aspekte der Traumatisierung ermöglichen.

Die Posttraumatische Belastungsstörung, die wir entwickeln, wenn ein traumatisches Erlebnis unsere Verarbeitungsfähigkeit übersteigt, ist durch zwei nebeneinander bestehende, schwer erträgliche Zustände charakterisiert: dem Wiedererleben traumatischer Aspekte mit starken körperlichen und emotionalen Reaktionen und physiologischer Übererregung – einem „Zuviel“ – einerseits, und einem Zustand mit Erinnerungslücken, Unwirklichkeitsgefühl, körperlicher Empfindungslosigkeit und emotionaler Taubheit – einem „Zuwenig“ – andererseits.

Bessel van der Kolk, einer der führenden Forscher auf dem Gebiet der Psychotraumatologie, hat als einer der ersten darauf hingewiesen, dass sich diese Symptomatik durch eine Psychotherapie auf einer rein verbalen Ebene kaum beeinflussen lässt. Die Bioenergetische Analyse versteht Psyche und Soma als funktionale Einheit. Sie ermöglicht einen Zugang zur Ebene der körperlichen und psychophysischen Reaktionen, aber auch zu präverbalen traumatischen Erlebnissen, die im somatischen Gedächtnis abgespeichert sind.

Spezifische Herangehensweisen der Bioenergetischen Analyse innerhalb der für die meisten Traumatherapien gültigen Phasen von „Stabilisierung“, „Traumasynthese“ und „Trauer und Neuorientierung“ sind:

  • Arbeit mit dem „Grounding“ (Bodenkontakt, Stand, Energiefluss zum Boden), um Sicherheit und Realitätskontakt zu stärken,
  • Anleitung zur körperlich-seelischen Selbstwahrnehmung, zu Selbstausdruck und Selbstkontrolle, um Ressourcen aufzubauen, das emotional-kognitive Fassungsvermögen sowie die Selbststeuerungsfähigkeit zu verbessern und Taubheit und Erstarrung aufzulösen
  • Arbeit mit Atmung und Stimme, die eine wesentliche Rolle bei der Blockierung von Gefühlen spielen
  • Lockerung/Aufhebung der für Traumatisierungen typischen Blockierungen in Schädelbasis, Nacken, Schultergürtel und Augen sowie
  • Übungen zur Entwicklung von Kraft und Selbstwirksamkeit.

Das Vorhandensein ausreichender körperlich-seelischer Ressourcen (Selbststeuerungsfähigkeit, Selbstausdruck, körperlich-seelisches Fassungsvermögen, Fähigkeit zu Trost, …) ist Voraussetzung dafür, sich den traumatischen Erinnerungen zuzuwenden, sie wiederzubeleben und sie zu integrieren.

—Magª. Bernadette Lindorfer

Literatur: Clauer, J. & V. Heinrich (1999): Körperpsychotherapeutische Ansätze in der Behandlung traumatisierter Patienten: Körper, Trauma und Seelenlandschaften. Zwischen Berührung und Abstinenz. Springer: Psychotherapie Forum 7, 75-93

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